Werbeanruf

„Guten Tag, spreche ich mit Herrn Zett, Herrn Ypsilon Zett?“

„Nein, ich bin Frau Iks Zett, seine Frau!“

Ich sehe es schon, gleich bekomme ich den Hörer. Hätte ich nur nicht diese Karte mit dem verlockenden Mercedes Xyz ausgefüllt, den man – wer immer man ist – gewinnen kann.

„Guten Tag, spreche ich mit Herrn Zett, Herrn Ypsilon Zett?“

„Nein, ich bin Frau Iks Zett, seine Frau!“

Ich sehe es schon, gleich bekomme ich den Hörer. Hätte ich nur nicht diese Karte mit dem verlockenden Mercedes Xyz ausgefüllt, den man – wer immer man ist – gewinnen kann.

„Oh, ist ihr Mann zu Hause? Kann ich dann bitte mit Herrn Ypsilon Zett sprechen.“

Meine Frau gibt mir den Hörer wortlos weiter und ich habe die ehrenwerte Aufgabe, die nette Anruferin (es sind immer nette Anruferinnen, bei deren Stimme sich das Bild einer nackten, willigen Schönheit im Gehirn ausbreitet, die Herrn Zett sprechen wollen, weil Herr Zett – so glaubt man – bei Anruferinnen den Verstand verliert und das Denken dem Inhalt seiner Hose überlässt) geschickt abzuwimmeln.

„Guten Tag, Ypsilon Zett.“ Was für eine Stimme.

„Guten Tag, Herr Ypsilon Zett? Richtig?“ Sagte ich doch. Ich werde wohl noch meinen Namen kennen.

„Aus (wo immer ich wohne)!“

„Ja.“

Gleich startet die Ich-red-dich-schwindelig-Phase. Ich kenne das schon und kann den Hörer etwas bei Seite legen. Ein breites Grinsen kann ich mir beim besten Willen nicht verkneifen. Gut, das wir kein Bildtelefon haben, sonst würde die Besitzerin der netten Stimme erkennen, dass sie in meine Falle tappt – und nicht ich in ihre.

„Herr Zett, ich darf ihnen mitteilen, dass sie schon gewonnen haben, sie wurden ausgelost und sind unter den glücklichen Gewinnern, die in die Endrunde um unseren Mercedes Xyz, kommen. Ist das nicht toll?“

„Ja, das freut mich aber sehr. Ich hab nämlich noch nie gewonnen.“

„Sie haben noch nie gewonnen? Da kann ich Ihnen aber eine gute Nachricht überbringen. Auch wenn sie unseren Mercedes Xyz nicht gewinnen sollten, so haben doch alle Endteilnehmer 100 Super-Sonder-Ultra-Günstig-Vorteilslose mit 100% Gewinngarantie gewonnen, sie nehmen damit nicht nur an der normalen Ziehung sondern auch an der Premium-Ziehung für langjährige Kunden teil. Sollte ein Los nicht gewinnen, nimmt es automatisch – ohne dass sie sich darum kümmern müssen an der Trostziehung teil. Sie zahlen 3 Monate keine Teilnahmegebühr bezahen. Sie können damit jeden Monat 2 Millionen, 10 Häuser, 100 Autos, 1000 Reisen. Ist das nicht tool?“

Ich bewundere diese nette Anruferinnen – wie sie ihren Text in Sekunden mit traumwandlerischer Sicherheit runterrasseln können, ohne dass der Kunde sich etwas davon merken oder gar darüber nachdenken kann. Aber ihr Monolog gibt mir Zeit über meinen Schlachtplan nachzudenken.

„Super, das ist ja ganz toll, aber ich habe schon zwei Autos und drei Häuser. Außerdem fahre ich jedes Jahr auf meine Hazienda in Urlaub und Geld habe ich auch genug.“ Was natürlich nicht stimmt und mir möglicherweise nicht geglaubt wird.

Jetzt hat sie ihr erstes Problem.

„Aber sie möchten doch sicher mal etwas gewinnen. Unsere Lose haben eine 100%-ige Gewinngarantie. Für sie sind 100 Lose mit super Vorteilszahlem reserviert. Dieses Angebot machen wir nur ganz besonderen Kunden. Super-Fall-Back und Jackpot (oder was auch immer). Würden sie nicht gerne Gewinne?“

„Kann ich mir den Gewinn auch auszahlen lassen?“, frage ich schüchtern und beeindruckt.

„Natürlich können sie sich die Sachpreise auch auszahlen lassen. (Hier folgt eine schwindelerregende Erklärung der Kosten, die ich mir ersparen möchte.) Darf ich die Lose für sie reservieren?“

„Natürlich. Gewinnen würde ich schon gerne. Und die Lose haben wirklich eine 100%-ige Gewinngarantie?“

„Unsere Super-Sonder-Ultra-Günstig-Vorteilslose haben eine 100% Gewinngarantie. Sie nehmen damit nicht nur an der normalen Ziehung sondern auch an der Premium-Ziehung für langjährige Kunden teil. Dabei …“

Oje, hoffentlich habe ich jetzt keinen Loop erzeugt.

“ … ich darf also die 100 Super-Sonder-Ultra-Günstig-Vorteilslose für sie reservieren?“

„Ja, meinetwegen“, gebe ich mich scheinbar geschlagen.

„Vielen Dank Herr Zett, ich habe da noch ein paar Fragen zum Abgleich.“

Ich beantworte die Fragen brav, bis wir an die Frage aller Fragen kommen.

„Bei welchem Kreditinstitut sind sie?“

„Sparkasse“

„Haben sie die Bankleitzahl zur Hand – ich kann sie auch heraussuchen, wenn sie mir den Ort nennen?“

„123 456 78.“

„Jetzt brauche ich nur noch Ihre Kontonummer.“

„Wozu?“

„Super-Sonder-Ultra-Günstig-Vorteilslose haben eine 100% Gewinngarantie. Damit gehen Sie kein Risiko ein. Sie zahlen in den ersten drei Monaten keine Bearbeitungsgebühr … ( das kennen ich nun schon ) … und dafür brauche ich natürlich ihre Kontonummer.“

„Und die Lose haben ein 100% Gewinngarantie?“

„Ja, … damit gehen sie kein Risiko ein und dafür brauche ich natürlich ihre Kontonummer.“

Langsam wir sie weich.

„Also ich gebe meine Kontonummer nicht gern am Telefon preis.“

„Sie gehen damit überhaupt kein Risiko ein, ihre Daten werden bei uns streng vertraulich behandelt … und dafür brauche ich natürlich ihre Kontonummer.“

„Ich hätte da einen anderen Vorschlag“, werfe ich zögerlich ein. „Sie kaufen die Lose für mich. Und wir teilen uns den Gewinn. Sie können natürlich die Kosten für die Lose vorher abziehen. Durch die 100%-ige Gewinngarantie gehen sie kein Risiko ein.“

„Als Mitarbeiter dürfen wir leider keine Lose kaufen.“

„Aber“, unterbreche ich sie. „Sie gehen doch überhaupt kein Risiko ein. Und teile sogar meine Gewinn mit Ihnen. Die Reisen sind doch immer für zwei Personen. Da könnten wir zusammen reisen. Wissen sie meine Frau, … “

„Leider ist es den Mitarbeitern nicht erlaubt solche Angebote anzunehmen.“

„Kommen sie, dass merkt doch keiner.“

„Leider ist es den Mitarbeitern nicht erlaubt solche Angebote anzunehmen.“

„Also gut, sie sind ein harter Brocken. 60 zu 40 für sie.“

„Leider ist es den Mitarbeitern nicht erlaubt solche Angebote anzunehmen.“

„Also bei einer 100% Gewinnchance würde ich so ein Angebot nicht ausschlagen. Aber gut. 70 zu 30, wenn sie die Kosten der Lose zahlen. Nur was machen wir, wenn wir eine Reise gewinnen?“

„Guten Abend, Herr Zett.“ Endlich legt sie auf. Hat auch lange genug gedauert.

Nichts gegen die netten Anruferinnen. Sie müssen sich ihr Geld sauer an der Grenze zum Betrug verdienen. Gut bezahlt wird der Job sicher nicht. Wenn sie nach Abschlüssen bezahlt wird, war dies eine schlechte Viertelstunde für die freundliche Dame. Ein Bisschen tut sie mir leid. Aber nur ein ganz, ganz wenig. Hoffentlich hat sie einen schwarzen Reiter auf meine Karteikarte gesetzt.

Bis zum nächsten Preisausschreiben. Ich muss mich dafür allerdings noch etwas besser vorbereite

Quelle: Blogger.de

3 Gedanken zu „Werbeanruf“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.