Parteiinterne Hetzjagd1

Es gibt wichtigeres als die (Nicht-)Dissertation eines (Ex-)Verteidigungsministers. Nicht für CDU und CSU, aber für den Rest der Republik.

Jetzt werden die Schuldigen in den eigenen Reihen gesucht2. Wozu? Es gab einen Verursacher: zu Guttenberg. Geguttenbergte Dissertation und in der Krisen beim Kopieren versagt. Dabei gab es doch gute Vorlagen; Käßmann, Friedmann.

Lieber Herr Kauder,

Sie und Teile der beiden Partei haben ihn gestützt, zu ihm gehalten, sich verbogen, auf die Zunge gebissen und die Kröten, die zu Guttenberg ihnen servierte geschluckt. Alles um der Umfrageergebnisse willen und der selbst eingeredeten These: Ohne zu Guttenberg geht nichts, wir müssen ihn retten, koste es was es wolle. Bis zu einen gewissen Grade kann man dieses Verhalten als honorig ansehen. Viele in der Partei haben geflissentlich geschwiegen. Ist Ihnen aufgefallen, wie viele? Aber Sie haben die Fakten ignoriert und stehen nach dem Rücktritt blamiert da. Ihr Weltbild hängt schief und muss gerade gerückt werden. Da Sie nicht selbst schuld sein können, brauchen Sie einen Schuldigen. Kognitive Dissonanz. Mein Vorschlag wäre: zu Guttenberg. Aber ich kann verstehen, dass Sie den nicht in zu Guttenberg suchen möchten, um es sich nicht mit dessen wenigen Fans zu verderben.

Nebenbei: Sie sollten Facebook-Fans nicht überschätzen. Ein „Gefällt mir“-Klick kostet keine Mühe. „Gefällt mir nicht“-Klicks gibt es nicht, nur „Gefällt mir nicht mehr“.

Ob Sie sich und der Union mit Ihrem Nachkarten einen Gefallen erweisen, dass sie jetzt auf Ihre Parteifreunde Schavan und Lammert los gehen? Mein Vertrauen gewinnen Sie so nicht. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Mein persönlicher Tipp: Wenn ich mich blamieren wollte, würde ich mich nackt auf den Marktplatz stellen. Ist viel einfacher.

Zu Guttenberg ist weg und wird – vorerst – nicht wieder kommen. Es hilft nicht ihm nach zu trauern und das Thema weiter in der Diskussion zu halten. Insbesondere nicht, wenn man seine Uneinsichtigkeit damit weiter unter Beweis stellt. Auch wenn die Erläuterung des Rücktritt ein weiterer Fehltritt war, durch das Nachkarten, die parteiinterne Hetzjagd, wird ihr jedes Motiv der Anständigkeit, Aufrichtigkeit und Reue genommen, das man zu Guttenberg hätte wohlwollend zu Gute halten können. Bemitleidenswertes, aber sehr aufschlussreiches Verhalten.


  1. Ich verwende Ausnahmsweise diesen Begriff, den ich ihn nicht mag, weil es hier um eine Suche nach Schuldigen geht. Eine Hetzjagd oder Menschenjagd auf zu Guttenberg hat m.E. nie stattgefunden. Hetzjagd, Neid und andere Begriffe sollten die Diskussion von der Sachfrage auf die vermuteten oder unterstellten Motive der Nachfrager umlenken.
  2. Guttenberg-Ärger in der Union: Kauder kartet in der „Sargnagel-Affäre“ nach; RP-Online; 6.3.2011 21:03; >> Abruf 7.3.2011

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