Konzertfotografie – Teil 1

Nachdem ich letztes Jahr auf der letzten Veranstaltung Kultur im Himmeroder Hof zum „Hof-Fotografen“ ernannt wurde, habe ich dieses Jahr mit wenigen Ausnahmen alle Veranstaltungen zu Kultur im Hof, Literatur im Takt und Ope(r)n Air am Hexenturm fotografiert. Im Laufe der Veranstaltungen habe viel experimentieren können und wertvolle Erfahrungen mit den Lichtverhältnissen sammeln können. Mit der Zeit geht die Einstellung der Kamera in Fleisch und Blut über. Ein paar Überlegungen, über die in Büchern und Artikeln häufig flüchtig hinweg gegangen wird, möchte ich hier etwas ausführlicher aufschreiben. Einerseits für mich selbst, um die Gedanken zu ordnen, anderseits für alle, die es interessiert.

Vorteil der kleinen Veranstaltung mit 100 bis 200 Besuchern und einer ebenerdigen, 8 m breiten und 4 m tiefen Bühne an der Stirnseite ist, dass ich auch hinter und auf die Bühne gehen kann. Dies bietet Perspektiven, die bei großen Konzerten und Bühnen aus dem „Fotograben“, nicht möglich sind. Auch lassen sich aus bestimmten Winkeln die Zuschauer mit ins Bild einbinden.

Die folgenden Überlegungen sind natürlich nicht auf Konzerte beschränkt. Der Zufall wollte, dass die Überlegungen mit Fragen zur Konzertfotografie begann.

Ausrüstung

Kamera

Letztes Jahr bin ich von der Nikon D 80 auf die Nikon D 700 umgestiegen. Zur Wahl stand noch die D300 und die D 7000. Ausschlag gab der Vollformat-Sensor mit der doppelten Fläche gegenüber dem APS-C und der hohe ISO-Bereich bis 25.600. Video ist nicht meine Welt und eine gehörige Portion Unvernunft (Preis) war auch dabei. In der Regel arbeite ich mit ISO 800 und Blitz, nur gelegentlich nutze ich ISO 3.200 oder höher. Auch wenn ich die hohen ISO Werte nicht oft nutze, die Qualität bei ISO 800 oder 1600 ist Gold wert. Im Laufe eines Abend verändert sich das Licht, so dass ich im Laufe des Abend die Empfindlichkeit von ISO 200 über 400 zu 800 erhöhe und für einzelne Bilder auf 3.200 oder 6.400 gehe und auf das Blitzgerät verzichte.

Objektive

Schon zu D 80 Zeiten habe ich das Kit-Objektiv 17-138mm und das günstig erstandene Sigma 55-200mm zu Gunsten lichtstarker Vollformat Tamron-Zooms (28-75mm, 70-200mm) mit einer durchgängigen Blende f/2,8 ausrangiert. Größe und Gewicht des lichtstarken 70-200mm sind zwar erheblich, aber die offene Blende kommt meiner Art zu fotografieren sehr gelegen, so dass es nicht mehr missen möchte. Ich stelle die Objekte bevorzugt mit einer offenen Blende frei und nutze die Zeitautomatik in der Regel mit Blende f/2,8. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Objektiv einfach genial. Ab und an, versuche ich es auch mit einem 500 mm F/1,8 oder 85mm f/1,8. Diese Festbrennweiten sind jedoch nicht so flexibel. Die möglichen Standorte und wechselnden Szene im Himmeroder Hof schränken den Einsatz der Festbrennweiten ein.

An einigen Tagen fotografiere ich nur mit dem 70-200 mm, an anderen mehr mit dem 28-75mm stärker. Mit 70mm Brennweite lässt sich die gesamte Bühne nur aus der Ferne erfassen.

Blitz

In der Regel nutze ich nur ein SB 900 auf der Kamera. Im letzten Jahr habe ich zwei SB 600 an festen Punkten angebracht und das SB 900 als Master auf der D 80 genutzt. Diese Kombination habe ich dieses Jahr aus Bequemlichkeit bisher nicht wieder verwendet. Der richtige Einsatz eines Blitzes ist schon schwierig genug. Um die Zuschauer im Hof bei Dunkelheit von vorne bis hinten zu beleuchten, könnte ich mir eine Verteilung der Blitze im hinteren Bereich vorstellen.

Für die Konzertfotografie ist das entfesselte Blitzen etwas hinderlich. Im Hof sind die Wände und Decken verglichen mit vielen Bühnen (z.B. Stadtteather Rheinbach, Kirchen, Open Air) hell und nahe, so dass ich immer indirekt blitzen kann.

Licht

Die Veranstaltungen sind open air. D.h. die Sonne hat neben den Scheinwerfern Einfluss auf die Lichtverhältnisse. Während der Abendveranstaltungen ändert sich das Licht stetig. Am Anfang, zwischen 19 und 20 Uhr, ist es noch sehr hell und die Haupt Lichtquelle ist die Sonne, auch wenn die meisten Teile des Hofes im Schatten der Häuser und Zeltdächer liegen. Gegen Ende, ab 21 Uhr, wird es dann dunkel und die Scheinwerfer werden zur dominierenden Lichtquelle abgesehen vom Blitzgerät. Um akzeptable Belichtungszeiten für 200mm Brennweite zu bekommen, muss ich trotz Scheinwerfer später mit ISO 800 oder höher und offener Blende fotografieren.

Dieser kontinuierliche Lichtwechsel erfordert eine kontinuierliche Anpassung der Einstellung der Kamera.

Da ich im Hof mit Blitz fotografieren darf / kann, habe ich bei der Mischung des vorhandenen Lichtes mit dem Blitz keine Einschränkungen. Hierzu später mehr.

Weißabgleich

Da ich RAW fotografiere überlasse ich den Weißabgleich der Kamera. Mit der Bildbearbeitung kann ich den Abgleich bei Bedarf korrigieren. Meine bisherige Erfahrung ist jedoch, dass die Automatik der Nikon D 700 hier gute Arbeit leistet.

Insbesondere im Mischlicht (Blitz / farbige Scheinwerfer) ist die Bestimmung des richtigen Weißabgleich nicht einfach – eigentlich unmöglich. Auf dem engen Raum des Hofes gibt es keinen Lichttechniker, der die Sänger mit einem rein weißen Spotlight verfolgt, so dass ich auf natürliche Hautfarben hoffen kann. Je nach Standort werden die Musiker von anderen Scheinwerfen und Farben bestrahlt. Dieser Farbstich im Gesicht ist charakteristisch für die Veranstaltung. Gut oder schön, ist zweitrangig. Wichtig ist mir daher nicht, dass eine weiße Fläche im Bild weiß erscheint, sondern dass eine Lichtstimmung wieder geben wird.

Eine mit gelben Licht angestrahlte weiße Wand ist gelblich. Wer versucht den Gelbstich aus der Wand zu nehmen und sie weiß zu machen, wird einen entsprechenden Blau-Stich in anderen Bereichen bekommen. Die Kunst ist daher die oder eine passende Lichtstimmung nachzuahmen oder zu erzeugen. Ein wenig Blitzlicht ist – für mein Farbempfinden – für klare, ansprechende Farben unabdingbar. (Hätte vor Jahren nicht gedacht, dass ich so etwas mal schreiben würde.)

Lichtmischung: Farbige Scheinwerfer und Blitzlicht

Ein ständiger manueller Weißabgleich scheidet aus oben beschriebenen Gründen aus. Kaum zwei Bilder würden den gleichen Weißabgleich erfordern. Beim indirekten Blitzen nimmt das Licht zudem die Farbe der Flächen (Wände, Decken) an, auf die das Licht gerichtet wird. Die Automatik muss es richten. Ein anderer Punkt ist die Mischung des unvorhersehbar farbigen, verfügbaren Lichtes mit dem Blitzlicht. Hier gilt die Blende bestimmt den Anteil des Blitzes, die Belichtungsdauer den Anteil des verfügbaren Lichtes (Umgebungslicht / available light). Warum? Hier sind die meisten Erklärungen sehr kurz. Darum hier eine etwas längere.

Der Blitz dauert nur einen Bruchteil der Öffnungszeit des Verschlusses. Während die kürzeste Verschlusszeit einer Nikon D 700 beim Blitzen 1/250 Sekunde beträgt, benötigt der Blitz nur ein Drittel oder ein Viertel dieser Zeit und erreicht so den Sensor in voller Stärke. Längere Verschlusszeiten lassen daher nicht mehr Blitzlicht durch. Oberhalb dieser Zeit bestimmt nur die Blendenöffnung die Menge des Blitzlichtes. Durch das Schließen oder Öffnen der Blende lässt sich so der Anteil des Blitzlichtes verringern.

Wird nicht das verfügbare Licht auch durch die Blende beeinflusst? Natürlich. Es wird durch die Blende im gleichen Verhältnis wie das Blitzlicht reduziert. Das Öffnen oder Schließen der Blende um eine Stufe wirkt sich auf Blitz- und Umgebungslicht im gleichen Maße aus. Beides wird verdoppelt (öffnen) oder halbiert (schließen). D.h. das Verhältnis der Lichtmengen zueinander bleibt konstant.

Aber im Gegensatz zum Blitzlicht fällt das verfügbare Licht kontinuierlich während der Öffnungszeit des Verschlusses auf den Sensor. Je länger der Verschluss geöffnet bleibt, desto mehr Umgebungslicht fällt auf den Sensor und umgekehrt. Das Ändern der Belichtungszeit um eine Stufe wirkt sich nicht auf die Menge des Blitzlichts, jedoch auf die Menge des Umgebungslichts aus, das auf den Sensor trifft. Eine Änderung der Verschlusszeit um eine Stufe verdoppelt / halbiert den Anteil des Umgebungslichtes.

Beispiel gefällig?

Nehmen wir an, dass eine optimale Belichtung ohne Blitz bei ISO 800, 1/30 Sekunde Blende f/8 liegen würde. Das Blitzlicht würde kaum benötigt. Verkürze ich die Belichtungszeit auf eine 1/60 Sekunde, müsste der Blitz 50% des Lichtes liefern. Bei einer weiteren Verkürzung auf eine 1/125 Sekunden muss der Blitz 75% des Lichtes liefern und bei 1/250 Sekunde 87,5 % – wenn die Leistung des Blitzgerätes mit spielt.

Mit einer sehr kurzen Verschlusszeit lässt sich also der Einfluss der Scheinwerfer und ihre Farbe auf das Bild begrenzen. Je nach maximaler Blitzleistung könnte man das Umgebungslicht in den Hintergrund treten lassen.

Der dritte Faktor in der Steuerung ist die Empfindlichkeit. Sie wirkt sich auf Umgebungs- und Blitzlicht in gleichem Maße aus. Mit der Empfindlichkeit kann die Belichtungszeit und Blende für Bewegungsverwischungen und Schärfentiefe gesteuert werden. Dazu mehr in einem späteren Teil.

Wie finde ich die „richtige“ Einstellung der Kamera

Dazu in nächsten Teil mehr.


Links:

  1. WikiPedia: Konzertfotografie >> (Stand: 07. August 2011)
  2. Robert Kneschke: Fototipps Konzertfotografie >> (Stand: 07. August 2011)
  3. Peter Wafzig: Praxis-Tipps zur Konzertfotografie >> (Stand: 07. August 2011)

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