Religion als soziale Utopie

Anmerkungen zu Jakob Augstein: Religion als soziale Utopie: Die Jesus-Alternative auf S.P.O.N.

Jeden Montag darf Herr Augstein bei S.P.O.N. seine im Zweifel linke Meinung in die Welt streuen – auch Ostermontag. Dem Tag angemessen muss eine Predigt – eine Kolumne – zu Jesus, Auferstehung und (Finanz-)Kapitalismus und Neoliberalismuis, Demokratie auf die aktuelle Krise zusammengebraut werden.

Lieber Herr Augstein, selten habe ich so ein gedankliches Durcheinander gelesen wie in ihrer gestrigen Kolumne

Religion als soziale Utopie: Die Jesus-Alternative

Eine Kolumne von Jakob Augstein

Die Tatsachenmenschen haben abgewirtschaftet: In der Krise wird deutlich, dass Kapitalismus und Neoliberalismus keine Hoffnung bereithalten. Die Aufgabe der Politik wäre es, ihnen mit der Kraft der Utopie zu begegnen. Ostern, das Fest der Auferstehung, erinnert an diese Kraft.

Quelle: S.P.O.N.

Wer sich als Tatsachenmensch die Gesetze des Marktes vor Augen führt, wird sich über die Krise nicht wundern. Nur Utopisten oder reiche Erben glauben an leichtes, schnell verdientes Geld ohne Risiko und immer währende Geldwertstabilität.

Die sinnvollste Aussage in der Kolumne ist noch die Erkenntnis, dass Kapitalismus und Demokratie nichts miteinander zu tun haben – welch tief greifende Erkenntnis.

Demokratie ist eine Form der Entscheidungsfindung (in der Regel Mehrheitsentscheidungen Mitglieder/Bürger nach bestimmten Regeln) in einer Gesellschaft; Geld ist der (durch eine Gesellschaft verbriefte) Anspruch auf menschliche Arbeit (in der Zukunft).[1] (Ergänzungen in Klammern von mir)

Geld / Kapital und Demokratie haben nur die Gesellschaft, die die Ansprüche verbrieft und die Entscheidungen fällt, gemein. Das Geld hat nur Wert, wenn die Gesellschaft bereit und in der Lage ist den zugesagten / verbrieften Anspruch auf Arbeit zu erfüllen.

Wenn eine Gesellschaft, ein Staat, ein Schuldner mehr Ansprüche auf Arbeit (in der Zukunft) verbrieft, als sie / er leisten kann, dann sind diese Ansprüche wertlos. Eine Weile wird man dieses Verhalten vertuschen können, aber irgendwann kommt die Wahrheit an die Öffentlichkeit – die Marktteilnehmer, den Gläubigern. Dass letztere daraus ihre Konsequenzen ableiten, kann man ihnen kaum verdenken, auch wenn dem Schuldner die Schlüsse nicht passen werden.

Die Erkenntnis, dass die Krisenstaaten die Ansprüche, die sie anderen gegenüber verbrieft haben, nicht mehr erfüllen können, ist der Kern der Krise. Gegen diese Erkenntnis hilft keine politische Erklärung (oder Utopie), ob sie demokratisch oder diktatorisch getroffen wird, ist gleichgültig. Eine derartige Krise ist in der Geschichte weder neu noch selten. Es geschieht regelmäßig im Großen wie im Kleinen. Ein kluger Gläubiger weiß dies und baut vor.[2]

Sowohl Gläubiger als auch Schuldner haben ein vitales Interesse an einem funktionierenden Markt. Die Gläubiger waren zu gutgläubig und die Schuldner haben den Bogen überspannt. Da hilft kein Jammern: Das Geld ist weg; dies müssen Gläubiger und Schuldner endlich akzeptieren. Je früher desto besser. Im Gegensatz zu den Toten sind alle Märkte bisher in irgendeiner Form wieder auferstanden; keine Utopie, Tatsache. Ein Dahinsiechen im Wachkoma ist nicht „tot“.

Weder Diktaturen noch Demokratien waren in der Vergangenheit „markt-konform“. Gesellschaften müssen den Handeln – den Tausch von Arbeit und Zusagen auf Arbeit – regeln und dazu die Einhaltung der Zusagen sicherstellen. Unabhängig von der Form der Entscheidungsfindung wurden in der Vergangenheit Zusagen auf Arbeit nicht eingehalten und Geld damit abgewertet. Wer seine Zusagen nicht einhält, darf sich nicht wundern, wenn neuerliche Zusagen an den alten gemessen und nicht ohne größere Sicherheit oder Risikoaufschläge akzeptiert werden.

  1. [1]Chris Martenson: Der Crash Course Kapitel 6: Was ist Geld? >>
  2. [2]Deshalb gilt der allgemeine Rat, niemals mehr als 5% des Vermögens auf ein Risiko zu setzen

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