Konzertfotografie – Teil 1

Nachdem ich letztes Jahr auf der letzten Veranstaltung Kultur im Himmeroder Hof zum „Hof-Fotografen“ ernannt wurde, habe ich dieses Jahr mit wenigen Ausnahmen alle Veranstaltungen zu Kultur im Hof, Literatur im Takt und Ope(r)n Air am Hexenturm fotografiert. Im Laufe der Veranstaltungen habe viel experimentieren können und wertvolle Erfahrungen mit den Lichtverhältnissen sammeln können. Mit der Zeit geht die Einstellung der Kamera in Fleisch und Blut über. Ein paar Überlegungen, über die in Büchern und Artikeln häufig flüchtig hinweg gegangen wird, möchte ich hier etwas ausführlicher aufschreiben. Einerseits für mich selbst, um die Gedanken zu ordnen, anderseits für alle, die es interessiert.

Vorteil der kleinen Veranstaltung mit 100 bis 200 Besuchern und einer ebenerdigen, 8 m breiten und 4 m tiefen Bühne an der Stirnseite ist, dass ich auch hinter und auf die Bühne gehen kann. Dies bietet Perspektiven, die bei großen Konzerten und Bühnen aus dem „Fotograben“, nicht möglich sind. Auch lassen sich aus bestimmten Winkeln die Zuschauer mit ins Bild einbinden.

Die folgenden Überlegungen sind natürlich nicht auf Konzerte beschränkt. Der Zufall wollte, dass die Überlegungen mit Fragen zur Konzertfotografie begann.

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Blitzvorauslösung

Gestern besuchte ich ein Open Air Konzert. Ohne Kamera nutzte ich die Gelegenheit, Profis bei der Arbeit zu beobachten. Diese Beobachtungen haben mich zu ein paar – nicht ganz ernst gemeinten – Gedanken über das indirekte Blitzlicht im Freien veranlasst.

Direktes Blitzlicht – insbesondere mittels eines aufgesteckten Blitzes – ergibt harte Schatten und unter Umständen die gefürchteten roten Augen. Auf die Nachteile will ich nicht näher eingehen, sondern auf die Abhilfe: Indirektes Blitzen.

Wenn man keine Möglichkeit hat mit großen Softboxen zu arbeiten und entfesselt zu blitzen, sollte man das Licht indirekt auf das zu fotografierende Objekt richten, indem man den Blitzkopf auf eine reflektierende Fläche in der Nähe richtet. Eine weiße Decke oder Wand sind hier hilfreich, aber auch schwarze Wände oder Decken einer Bühne halten einen wahren Profi nicht davon ab indirekt zu blitzen. Da das Licht die Farbe der reflektierenden Objekte annimmt, sind farbige Wände in der Regel ungeeignet. Schwarz ist jedoch nur ein sehr dunkles Weiß, daher führen schwarze Flächen nicht zu Farbverfälschungen.

Sind im Freien keine geeigneten Wände vorhanden, so empfiehlt es sich, das Blitzgerät nach oben gegen die Wolkendecke zu richten. Bei wolkenlosem Himmel bieten sich Sonne, Mond und Sterne als großflächige Reflektoren an. Während der Abstand zu den Wolken noch vernachlässigbar ist, muss bei Sonne, Mond und Sternen die Lichtgeschwindigkeit und der Abstand Kamera – Reflektor – Objekt berücksichtigt werden. Entscheidend für gute Bilder ist hier, dass die Kamera über eine entsprechende Blitzvorauslösung, ähnlich der Spiegelvorauslösung, verfügt. Die einstellbaren Zeiten sollten hierbei von mindesten drei Sekunden (Mond) bis über 15 Minuten (Sonne) reichen und auf eine 1/1000 Sekunde genau einzustellen sein. Profi-Modelle erlauben eine Blitzvorauslösung bis zu mehreren Jahren, um zum Beispiel das besonders weiche Licht des Alpha-Centauri nutzen zu können. Ein Flash-Move-Shoot-Calculator (FMSC) erlaubt es dem Fotografen zwischen der Blitzvorauslösung und der anschließenden Aufnahme den Ort zu wechseln und andere Objekte zu fotografieren und erinnert ihn rechtzeitig akustisch an die bevorstehenden Auslösung.

Verfügt die Kamera nicht über dieses „Feature“ und sind reflektierende Flächen zu weit entfernt, behilft sich der Profi beim beim indirekten Blitzen im Freien indem er zusätzlich einen Diffusor verwendet und sich die großvolumige Leerraumreflexion für extrem weiches Licht zu Nutze macht. Nur sehr geübten Betrachtern wird der feine Qualitätsunterschied zum weichen Licht des Alpha-Centauri auffallen.

Schönes Wochenende