Werden wir jemals Yottabyte brauchen?

Durch Zufall bin ich gerade auf eine Frage nach Yottabyte bei GuteFrage.net gestoßen. In einer Antwort wurde darüber spekuliert, ob bzw. wann es Yottabyte Festplatte geben wird. Nun kann man die Entwicklung der Wachstumsraten der vergangenen Jahre hochrechnen. Zur Zeit sind Terabyte-Platten erschwinglich. Meine erste Gigabyte-Platte dürfte ich vor 15 Jahren gekauft haben, vor weiteren 15 Jahren die erste Platte im Megabyte Bereich. Dies gibt einen Faktor 1.000 pro 15 Jahre. Ein Terabyte sind 1012 Byte. Bis zum Yottabyte (1024 = 1012 * 1012) fehlen 12 Zehner-Potenzen oder 1.0004. Dies wären – wenn die Steigerung weiter exponentiell verläuft – etwa 60 Jahre.

Wachstum ist jedoch nicht unbegrenzt möglich und es stellt sich die Frage: Was machen wir mit so viel Speicher?

Nehmen wir an, wir würden jede Lebenssekunde eines jeden Menschen in HD Qualität auf Video aufnehmen. Nehmen wir vereinfachend an, pro Sekunde fielen dabei 10 Megabyte Daten an. Bei 10 Milliarden Menschen, die alle 100 Jahre alt werden, kämen wir auf einen Speicherbedarf von ~315 Yottabyte. Warum sollten wir dies machen? Ich sehe keinen sinnvollen Grund jede Sekunde des Lebens aller Menschen auf Video aufzuzeichnen. Nach meiner Einschätzung wird es daher in den nächsten Jahrhunderten keinen Bedarf geben, Daten im Yottabyte Bereich zu speichern – weder für den einzelnen, noch für die gesamte Menschheit. Wir sind nicht in der Lage – sinnvolle – Daten in dieser Größenordnung zu produzieren.

Das NSA Data Center und das Yottabyte Märchen

Die NSA baut in Bluffdale, Utah, das größte Datenspeicherzentrum der Vereinigten Staaten. James Bramford[1][2], ein Autor zahlreicher Bücher über die NSA, spekuliert, dass der Speicherplatz ein Yottabyte betragen soll. Ein Yottabyte sind 1024 Byte oder 1 Billionen Terabyte. Bei etwa zehn Milliarden Menschen würde dies bedeuten, dass 100 Terabyte pro Mensch gespeichert werden könnten. Diese Zahl stammt wahrscheinlich aus einer Architektur Vision des Department of Defence (DoD) – auch Pentagon genannt, von 2007. Schon früher wurde diese Zahl kritisch in Kommentaren hinterfragt, ohne die Quelle zu konsultieren. Am 26. Juni 2013 hat Mark Burnett[3] vorgerechnet, dass diese Zahl völlig utopisch ist. (Man beachte: In der Englischen Sprache gibt es keine Zahlen mit -iarden. Eine Milliarde sind im Englischen „one billion“, eine Billion sind „one trillion“.) Trotzdem taucht diese Zahl immer wieder in der „Fachpresse“, so jüngst im c’t Magazin[4] auf.
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  1. [1]wired.com: James Bamford – The NSA Is Building the Country’s Biggest Spy Center (Watch What You Say); 15. März 2012
  2. [2]heise.de: George Orwell wird von der Realität überholt; 19. März 2012
  3. [3]xato.net: Mark Burnett – Dear NSA, I Don’t Think You Meant Yottabytes vom 26. Juni 2013
  4. [4]heise.de: c’t Magazin – Holger Bleich – Globaler Abhörwahn -Wie digitale Kommunikation belauscht wird; 16/2013