Focus Online nicht besser als SPON

Gestern hatte ich über zwei tolle Artikel zu einem angeblichen Heiratsantrag bei einem Baseball Spiel auf SPON geschrieben. Eigentlich kann die Welt auf solche Artikel und journalistische Qualität verzichten. Doch heute stellte ich fest, Focus Online ist auch nicht besser, ja sogar schlechter, den Focus Online hinkt einige Stunden hinterher.

Focus Online Missglückter Heiratsantrag
Screen Shot des Artikels bei Focus Online.

Sparen sich Focus Journalisten die Mühe zur recherchieren? Lesen sie möglicherweise nur einfach bei der Konkurrenz – zum Beispiel bei SPON – nach, worüber sie berichten sollten?

„Focus Online nicht besser als SPON“ weiterlesen

Zwei tolle Artikel bei Spiegel-Online

So kann man als SPON-Journalist (ulz) auch sein Gehalt in der Sommerflaute aufbessern und den privaten Klingelbeutel füllen. Zuerst schlecht recherchieren und dann nach Hinweisen der Leser nochmal darüber berichten, dass man so dumm war, einem PR-Gag aufzusessen. Schon wird man für zwei Artikel bezahlt, die es nie hätte geben müssen / dürfen.

  1. Verunglückter Heiratsantrag: Strikeout im Baseballstadion
  2. Vermeintlicher Heiratsantrag: Team outet gescheiterte Verlobung als PR-Gag

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Wen wundert es?

Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik.
SPON: Glaubwürdigkeit: Die Medien und der böse Wulff – Eine Kolumne von Jakob Augstein

Von den Medien erwarte ich eine prüfbare und objektive Berichterstattung. Die kann ich in weiten Teilen nicht erkennen. Es wurde vorgerechnet, welchen finanziellen Vorteil Herr Wulff von den Krediten hatte und jeder selbsternannte Experte trieb die Spekulation höher, ohne mit einem Wort auf die Bonität und die finanzielle Gesamtsituation einzugehen. Jemand, der über – staatlich garantiert – 200.000 € im Jahr verdient, kann – auf Hartz IV gekürzt – den Betrag leicht in drei Jahren abzahlen. Doch es werden Vergleiche mit Geringverdienern, die diesen Kredit auch in Jahrzehnten nicht abtragen könnten, gezogen. Es wird so getan, als hätte Herr Wulff, nachdem er seit Jahrzehnten in den Spitzengehaltsgruppen des Staates, nahe der Armutsgrenze „vegetieren“ muss, keinen Cent gespart und sich mit dem Hauskauf finanziell überhoben.

Wie weltfremd muss man sein, um das zu glauben? Wie unverschämt dreist, um solch einen Eindruck ohne Belege verbreiten zu wollen?

Kein Wort dazu, wie viel Frau Geerken mehr von Herrn Wulff als von ihrer Bank bekommen hat. Diese Berichterstattung war doch nur tendenziös.

Erst am 6./7.1. gab es dazu einen Artikel im Generalanzeiger Bonn nach dem die Kreditkonditionen unauffällig sind. Leider hat diese Stellungnahme der Banken zu den Kreditkonditionen wenig Verbreitung gefunden. Passt offenbar nicht ins Bild.
Banken: Wulffs kreditkonditionen unauffällig

Als alles nicht für den Rücktritt reichte, wurden ein angebliche Telefongespräch lanciert. Nicht nachprüfbar, da weder der Mitschnitt noch eine Abschrift veröffentlicht werden. Und es finden sich überall Kommentar, die von bedrohen, beschimpfen, beleidigen usw. schreiben ohne auch nur ein Originalwort des Anrufen zu kennen bzw. gehört zu haben. Jeder muss in der negativen Bewertung noch eins drauf legen, nur keinen Beweis. Eine starke Behauptung ersetzt keinen Beweis!

Dazu in jedem Kommentar neue Mutmaßungen über Motive der Familien Wulff und Geerken.

Der Umgang des Bundespräsidenten mit der „Krise“ ist verbesserungswürdig. Die Berichterstattung und die Kommentare jedoch um einiges mehr. Vielleicht hätte sich alles bei professioneller Arbeit schnell als heiße Luft erwiesen.

Alles nährt den Verdacht, hier soll ein Skandal geschaffen werden. Wenn der nicht reicht, ist des der Umgang mit dem Skandal, der zum Skandal wird. Durch eine andere Finanzierung wird aus Herrn Wulff sicher kein besserer Bundespräsident.

Im Zweifel für die Medien? Ganz sicher nicht!

Böser oder guter Wulff? Wer will das angesichts der schlechten, wenig objektiven Berichterstattung fair beurteilen?

„Die Medien“ unversehens in der Krise? Wie schlecht sind „die Medien“, dass sei dies nicht vorhersehen konnten? Leser unter- oder sich überschätzt? (Man verzeihe mir Übernahme des Begriffes „die Medien“. Ich mag keine Pauschalurteile. Es darf sich jedes Medium seinen passenden Schuh suchen.)

Genug aufgeregt. Gute Nacht!

PS: Herr Jakob Augstein hat mit seinen Kommentaren sicher nicht zu seiner Glaubwürdigkeit beigetragen. Im Zweifel links? Ganz sicher nicht, und auch nicht rechts oder in der Mitte. Im Zweifel vorsichtig und zurückhaltend!

E10-Krise

Brüderle ruft E-10 Krise aus1

Nein, ich hätte es nicht besser gewusst. Ich lese keine BILD oder Motorzeitschriften. Bei E-10 denke ich eher an eine Kamera. Wenn mein Sohn sich nicht darüber beklagt hätte, dass er den ganz teuren Sprit tanken muss, weil sein Auto kein E-10 verträgt, dann hätte ich noch weniger mit bekommen. Ich vermute, viele wurden von der Umstellung überrascht. Mir hat keiner die Broschüre in die Hand gedrückt; vom Postkasten wird sie als Werbemüll ungelesen entsorgt worden sein – natürlich ökologisch korrekt in den Papiermüll.

Inzwischen hab ich mal nachgeschaut, mein Opel verträgt E-10. Übrigens: E-5 ist mir als Zeichen an der Tankstelle noch nicht aufgefallen. Aber mein Zapfhahn ist meist der zweite von rechts. Ich könnte aber noch „Normal“ tanken. Schön, dass sie de Süden zuerst bedacht haben. Wer wohnt da noch gleich? Bayern, Franken, Schwaben … . Sind einige der Gruppen die nicht für eine gewisse Sturheit bekannt?

Der Teufelskreis ist schon faszinierend, die Leute Tanken kein E-10, sondern Super Plus, dass wird Mangelware, kann aber nicht nach produziert werden, weil die Lager voller E-10 sind.

Krise? Der Untergang des Abendlandes droht wohl nicht.

Ich halte nicht viel vom Verbrennen fossiler Brennstoffe. Das bedeutet Leben vom Kapital und nicht von den Zinsen. Wir verprassen das Erbe unserer Kinder. Aber Wälder roden, um „Sprit“ zu pflanzen? Die Alternative wäre meiner Meinung kurzfristig nur Atomenergie, denn Wind und Sonne sind wenig beständig. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, kann man für kein Geld der Welt Wind- oder Sonnenenergie kaufen.

Spart man wirklich CO2, wenn man Raps statt Öl verbrennt und dafür Wälder rodet? Die Antwort ist – trotz wissenschaftlicher (objektiver) Untersuchungsmethoden – nicht eindeutig.3,4

BTW: Der Vorteil offener, freier, kostenloser Information im Internet ist, dass Behauptungen nachprüfbar sind. Die eigene Meinung muss nicht von BILD gebildet werden. Eine eigene Meinung kostet natürlich mehr Zeit.


  1. SPON: Chaos um Bio-Super; Brüderle ruft E10-Krise aus; welt online 3.3.2011 >>
  2. Opel Deutschland: E10-Verträglichkeit von Kraftfahrzeugen; 17.12.2010; [PDF]; Abruf 3.3.2011
  3. Manfred Wörgetter, Marion Lechner, Josef Rathbauer: ÖKOBILANZ
    BIODIESEL; Studie der Bundesanstalt für Landtechnik im Auftrag des Bundesminsteriums für Land- und Forstwirtschaft (Österreich); März 1999; [PDF]; Abruf 3.3.2011
  4. Dörte Bernhardt: Ökobilanz von Bioethanol; Eine Literaturstudie; September 2006;[PDF]; Abruf 3.3.2011

Götterdämmerung – Das Licht ist aus

Nun ist es vorbei. Das Licht ist aus. Die Lichtgestalt … ja wo ist sie nur? Schon verwunderlich, wie lange zu Guttenberg sich gegen die Einsicht, dass er als Minister nicht mehr tragbar ist, gesträubt hat. Wie viel Weltfremdheit gehört dazu, zu glauben, den Kopf aus einer solchen Schlinge ziehen zu können. Oder war da ein aufmunterndes „Junge, halte durch!“ mit dem stillen, geheimen Nachsatz ‚je länger, desto tiefer dein Fall, desto besser für mich‘. Wir sollten nicht verkennen: Merkel und Seehofer sind einen Konkurrenten los. Kein Oppositionspolitiker war annähernd so gefährlich für die eigene Position. Ich erinnere mich noch an die Fotos und Video des CSU Parteitags und die Kommentare. „Horst Seehofer: Parteichef von Guttenbergs Gnaden“. Eine Demütigung für Seehofer.

„Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland“, sagte Merkel am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt in Karlsruhe2. Recht hat sie! Fragt sich nur bei wem. Von „Der Vorwurf, …, ist abstrus, über „… bereit zu prüfen, ob … vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten …“ und „fraglos Fehler“ zu „gravierende Fehler“ , „Blödsinn“ und bis hin zu „Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht …“ 3,4 werden uns alle zwei, drei Tage neue Erklärungen aufgetischt. Gerne möchte man ihm gauben, wenn zu Guttenberg erklärt, die Arbeit am Wochenende erstmals gelesen zu haben. Nicht nur im Hinblick auf die Vorwürfe. Dazu eine Kanzlerin, die mit aller Macht (oder vielleicht doch nicht?) sich und ihrem Volk einen solchen Minister zumuten will oder glaubt zu müssen. Eine Kanzlerin, die nicht erkennen will oder kann, dass nicht so sehr die Doktorarbeit, sondern das Krisenmanagement, die unglaubwürdigen und teilweise beleidigenden Erklärungsversuche das Problem sind. Und die hilflosen Versuche, von der Sache auf die Motive der Frager abzulenken. Statt die Lauterkeit des Angeklagten zu klären, wird die Lauterkeit des Staatsanwaltes diskutiert. Welch ein Offenbarungseid. Politiker, denen nicht mehr einfällt, als über die Motive des Gegners zu diskutieren und diese zu diffamieren, haben in der Sachfrage aufgegeben. Sicher eine gern genutzte, dafür aber trotzdem dumme Strategie. Ein absolut sicheres Zeichen für die Niederlage. Leute lassen sich nicht gerne für dumm verkaufen. Irgendjemand bemerkte in diesem Zusammenhang, dass deutsche Juristen großer Erfahrung darin haben, aus den Umständen der Tat auf Vorsatz oder nicht zu schließen.

Erschreckend, wie lange die Führungsriege von CDU und CSU sich vor und hinter zu Guttenberg gestellt hat, und wie jeder sich fürchtete, dem beliebtesten Politiker den Todesstoß zu versetzen. Und zu welchen Verrenkungen sie sich erniedrigt haben und noch erniedrigen, um eine unhaltbare Stellung nicht aufzugeben. Fehlte da jedes eigene Ehrgefühl? Zusammenhalt, Macht und Partei über alles?

Ich kann das fürchterliche Leid eines Diebes oder Betrügers, ja seine Höllenqualen, nachvollziehen, wenn er seine mühsam geklaute oder erschwindelte Beute zurück geben muss. Was sind Bestohlene doch niederträchtige Menschen. Sie fordern nicht nur rücksichtslos vom leidenden Dieb die Beute zurück, sondern lassen einfach nicht locker und wollen, dass er ins Gefängnis geht. Schämt euch, heuchlerisches, mitleidloses Pack. Ihr weidet euch an dem Leid dieses armen Menschen. Was sagte die Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel: „Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland“. Recht hat sie!

Warum stellt sich Frau Bundeskanzler Dr. Merkel hin und versucht das moralische Handeln eines Menschen zwischen Akademiker und Minister zu teilen? Was ist da nur in sie gefahren? Wer hat ihr dazu geraten? Damit hat sie ohne Not viele Akademiker gegen sich aufgebracht. Wieso nur die Akademiker? Auch jeder Geselle oder Meister, der sich seinen Titel erarbeitet hat, kann da doch nur mit dem Kopfschütteln. Wer hat ihr geflüstert, dass nur Gegner der CDU und CSU mit solches Verhalten nicht durchgehen lassen wollen?

Ein Minister, der ihr und uns eine Lüge nach der anderen serviert, hat ihr vollstes Vertrauen? Was wäre, wenn sie am Samstag, oder meinetwegen erst am Dienstag letzter Woche, erklärt hätte: „Meine lieben, Landsleute, verehrten Damen und Herren, am Donnerstag hat mir Herr Minister Dr. zu Guttenberg in einem vier Augengespräche hoch und heilig versichert, dass an den Vorwürfen zu seiner Doktorarbeit nichts dran ist. Heute nun, muss ich nach eingehender Prüfung feststellen, dass diese Arbeit keine vereinzelten Fehler enthält, sonder in weiten Teilen zusammen kopiert und nicht sein eigenes Werk ist. Aus der Erfahrung mit meiner eigenen Arbeit ist mir nicht begreiflich, wie dies unbewusst und unbeabsichtigt geschehen könnte. Zu meinem äußersten Bedauern ist aufgrund dieser Fakten und der ausdrücklichen Versicherungen des Ministers am Donnerstag mein Vertrauen zu Minister zu Guttenberg erheblich erschüttert und eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich.  Aufgrund der fehlenden Aufrichtigkeit des Ministers mir gegenüber und auch gegenüber der Öffentlichkeit habe ich daher schweren Herzens den Herrn Bundespräsidenten bitten müssen, Minister Dr. zu Guttenberg zu entlassen, und einen Nachfolger zu ernennen.“

Wer hätte dagegen aufschreien können? Der Schaden wäre auf Dauer sicher geringer gewesen, als der jetzt entstandene. Die Liebes trunkenen Guttenberg-Fans werden auch wieder nüchtern. Die Verprellten werden sich lange erinnern.

Zur Rücktrittserklärung zu Guttenbergs spare ich mir die Anmerkungen, nur eine: Nicht einmal jetzt hat es zu Größe gereicht. Von Friedmann oder Käßmann weit weit entfernt.

Und das positive Fazit für Politik-Verdrossene: Ganz so mächtig sind die Politiker doch nicht. Auch ohne Wahlen kann der Wähler sie zur Vernunft bringen. Mit Wahlen könnte wir wenigstens erstmals die Spreu ganz grob vom Weizen trennen.

Ein Sargnagel der Demokratie5, wie der Bundestagspräsident Dr. Nobert Lammert fürchtet? Nein, so lebendig war sie schon lange nicht mehr. Nur gäbe es bessere Themen.

Was hat ihn nur dazu getrieben, die Doktorarbeit zu kopieren? Mir kommt dazu immer Ockhams Rasiermesser in den Sinn: Die einfachste Hypothese: Er hat die Arbeit nicht selbst geschrieben. Dies würde die ersten Reaktionen erklären. Zu Guttenberg hat nicht gewusst, wie schlecht sie ist. Und ist Betrüger und Betrogener.

Manche Entscheidungen sind schmerzlich, aber notwendig.

„Und wieder siegt die Dummheit über die Vernunft“6, wie in einem Blog-Kommentar stand? Mitnichten: Die Vernunft hat über die Dummen gesiegt. Bedauerlich nur: Dumme werden dadurch nicht zu Schlauen.


  1. Horst Seehofer: Parteichef von Guttenbergs Gnaden; In: Video auf Spiegel Online; 30.10.2010 >> Abruf 2.3.2011
  2. Merkel: Guttenberg-Gegner sind scheinheilig und verlogen; In: Handelsblatt.com; >> Abruf 2.3.2011
  3. B.Z.: Chronologie eines Rücktritts; In: www.bz-berlin.de; 2.3.2011 18:00 Uhr; >> Abruf 2.3.2011
  4. Die Welt: Die ganze Welt im Blick, über Fußnoten gestolpert; In: www.welt.de; 1.3.2011; >> Abruf 2.3.2011
  5. Die Welt: CSU stützt Guttenberg – Seehofer kritisiert Lammert; In: www.welt.de; 28.2.2011; >> Abruf 2.3.2011