Moneyplex mit Cardreader unter openSUSE 11.4 installieren

Wer mit Linux arbeitet hat bei den Homebanking-Programmen wenig Qual der Wahl. Kaum ein Weg führt an Moneyplex® von Matrica vorbei. Ich nutze dieses Programm schon seit Jahren. Wenn es einmal auf dem Rechner läuft, dann läuft es zuverlässig und rund. Im Vergleich zu anderen Programmen (StarMoney und … wie hieß dieses Programm mit Q? Quicken – lang ist es her.) empfand ich die Oberfläche gewöhnungsbedürftig. Sie hat sich aber bewährt. Eigentlich kann ich mich nicht beklagen, aber ich bin in meiner Windows Zeit (ja, auch ich habe schwarze Flecken auf der weißen Weste) auf die Idee gekommen, eine HBCI-Chipkarte und einen Kartenleser anstelle des PIN / TAN Verfahrens zu nutzen. Dies wollte ich auch unter Linux nicht aufgeben. Rasch stellte sich heraus, dass mein alter USB-Kartenleser von Towitoko nicht unterstützt wird. Also habe ich mir den Kobil KAAN Standard plus zugelegt. Die Installation war nicht einfach, aber er lief am Ende. Mit jedem Rechnerwechsel oder Update der SuSE rang ich erneut mit den Treibern. Einmal fiel die Unterstützung aus der SuSE heraus. Es hat Stunden gebraucht, bis ich Ursache und Lösung hatte. Aber hier fand sich jemand, ich weiß nicht mehr wer, der die Module wieder bereitgestellt hat. Mit jedem Rechnerwechsel und Update beginnt ein neuer Kampf um die Installation des Treiber, weshalb ich Updates über Jahre tunlichst vermied.

Mit dem neuen Rechner war ein Umstieg unausweichlich. Nur, was unter der openSUSE 11.3 noch reibungslos klappte, wollte unter openSUSE 11.4 nicht mehr. Die Version Moneyplex® 2007 bekam ich mit meinen USB-Kartenleser Kobil KAAN Standard plus auch nach mehreren Tagen nicht mehr zum Laufen. Auch schien es keine Updates der alten Version nicht zu geben. Nach vier Jahren war die Zeit reif für ein Upgrade auf das aktuelle Moneyplex® 2011. Ich bestellte gleich einen neuen Kartenleser Reiner-SCT cyberJack RFID standard dazu, weil es im Moment die am besten unterstützten Kartenleser sind.

Aus Erfahrung klug, las ich die Installationsanweisung erst durch, bevor ich anfing. Dann ging ich die einzelnen Schritte durch. Der erste Schritt war einfach. Der zweite schon erfüllt. Die Teste trotz aller Sorgfalt nicht auf Anhieb erfolgreich, aber … Doch Moneyplex akzeptiert den Treiber pcsc-ctapi-wrapper am Ende nicht. Moneyplex ist 32-bit Software und ich hatte nur 64-bit Pakete installiert. Auf diese Idee kam ich nach einem Mail-Wechsel mit Matrica, die übrigens immer sehr schnell reagieren. Ich erspare mir die Einzelheiten zweier langer Abende und fasse hier das Ergebnis zusammen. Im Grunde ist es viel einfacher als in der Installationsanleitung beschrieben.
Etwas verwirrend sind die Aussagen in der Installationsanleitung, Verwenden sie den IFD-Treiber, … verwenden Sie nicht den CTAPI-Treiber. Später wird dann die Installation des CTAPI erklärt, jedoch nicht die des PC/SC-Treibers. Legen wir die Installationsanleitung und ihre Ungereimtheiten bei Seite.

Alle benötigten Pakete sind im Repository security:/chipcard enthalten, so dass der lange Weg der Installation auf wenige Schritte reduziert werden kann.

  1. Repository hinzufügen
  2. Pakete installieren
  3. Gruppe cyberjack anlegen und user hinzufügen, an- und abmelden
  4. cyberjack ausführen (Test und Konfiguration)
  5. Moneyplex einrichten

Derzeit sind folgende Pakete aktuell.

  1. libpcsclite1-1.7.2-5.5.1.x86_64
  2. libpcsclite1-32bit-1.7.2-5.5.1.x86_64
  3. pcsc-ccid-1.4.4-22.1.x86_64
  4. pcsc-ctapi-wrapper-0.3-2.1.x86_64
  5. pcsc-ctapi-wrapper-32bit-0.3-2.1.x86_64
  6. pcsc-cyberjack-3.99.5final.SP01-46.3.x86_64
  7. pcsc-lite-1.7.2-55.1.x86_64
  8. pcsc-openct-0.6.20-24.1.x86_64
  9. pcsc-tools-1.4.17-1.1.x86_64

1. Schritt – Repository hinzufügen

Am einfachsten fügt man das Repository1 mit folgendem Befehl hinzu (root-Rechte erforderlich):

zypper addrepo -cf -n „For cardreader installation“ „http://download.opensuse.org/repositories/security:/chipcard/openSUSE_11.4/“ „Security Chipcards“

Für openSUSE 11.3 entsprechend die „4“ in eine „3“ ändern. openSUSE 11.2 und früher werden nicht mehr unterstützt. Da müsste man wohl im DVD-Archiv graben.

2. Schritt – Notwendige Pakete installieren.

Folgende Pakete sind zu installieren:

  1. pcsc-ccid
  2. pcsc-lite
  3. pcsc-openct
  4. pcsc-tools
  5. pcsc-ctapi-wrapper
  6. pcsc-ctapi-wrapper-32bit
  7. pcsc-cyberjack
  8. libpcsclite1
  9. libpcsclite1-32bit

Zusätzlich können noch folgende Pakete installiert werden, um mehr Funktionen für die Nutzung von Karten zu haben.

  1. libchipcard
  2. libchipcard6

Dies geht mit zypper in einem Zuge. Abhängige Module werden mit installiert.

zypper install pcsc-ccid pcsc-lite pcsc-openct pcsc-tools pcsc-ctapi-wrapper pcsc-ctapi-wrapper-32bit pcsc-cyberjack libpcsclite1 libpcsclite1-32bit libchipcard libchipcard6

Für den Reiner-SCT cyberJack wird der PCSC/CTAPI-Wrapper (unter openSUSE 11.4) nicht benötigt, da Moneyplex den Kartenleser unter PC/SC erkennt, was aber nicht sehr zuverlässig ist und etwas an- und abstöpseln des Lesers erfordert. Plötzlich geht es dann. Warum? Keine Ahnung, aber es nervt. Besonders instabil ist es unter einer virtuellen Maschine. Nach mehrfach ab und an ist der Kartenleser komplett verwirrt und es empfiehlt sich ein Rechner-Neustart (böses Wort).

Für Ubuntu User: Den http://www.matrica.de/download/pcsc-ctapi-wrapper.zip gibt es immer noch nicht auf der Seite.

3. Gruppe cyberjack hinzufügen

Der Nutzer, der den Kartenleser nutzen soll, muss in der Gruppe cyberjack sein. Dazu ist sie anzulegen und der Nutzer hinzuzufügen. Danach muss der Nutzer, der man in der Regel selbst ist, sich ab- und anmelden, da die Gruppenmitgliedschaft nur beim Anmelden festgestellt wird.

groupadd cyberjack
usermod -G cyberjack <username>

An- und abmelden nicht vergessen.

4. cyberjack ausführen

Jetzt ist es an der Zeit, den Kartenleser zu testen. Dazu kann man cyberjack oder pcsc_scan nehmen. Auch die Variante pcscd -f -s -d funktioniert, allerdings muss man etwas Geduld mit dem Kartenleser aufbringen. Nicht alles klappt auf Anhieb.

Gibt pcsc_scan folgendes aus oder wartet ewig, dann ist der pcscd nicht gestartet. In diesem Fall rcpcscd start ausführen. Wenn es nicht klapp, Kartenleser an- und abstöpseln, rcpcscd restart und nochmals versuchen.

thomas@x1:~> pcsc_scan
PC/SC device scanner
V 1.4.17 (c) 2001-2009, Ludovic Rousseau
Compiled with PC/SC lite version: 1.7.2
SCardEstablishContext: Service not available.

So sollte es aussehen. Wichtig ist die ATR Folge.

x1:~ # pcsc_scan
PC/SC device scanner
V 1.4.17 (c) 2001-2009, Ludovic Rousseau
Compiled with PC/SC lite version: 1.7.2
Scanning present readers…
0: REINER SCT cyberJack RFID standard (4341515563) 00 00

Sun Jun 12 00:52:19 2011
Reader 0: REINER SCT cyberJack RFID standard (4341515563) 00 00
Card state: Card inserted,
ATR: 3B FF 18 00 FF 81 31 FE 45 65 63 0D 07 63 07 64 00 0D 90 73 57 00 06 15 B5

Can’t locate Chipcard/PCSC/Card.pm in @INC (@INC contains: /usr/lib/perl5/site_perl/5.12.3/x86_64-linux-thread-multi /usr/lib/perl5/site_perl/5.12.3 /usr/lib/perl5/vendor_perl/5.12.3/x86_64-linux-thread-multi /usr/lib/perl5/vendor_perl/5.12.3 /usr/lib/perl5/5.12.3/x86_64-linux-thread-multi /usr/lib/perl5/5.12.3 .) at /usr/bin/ATR_analysis line 47.
BEGIN failed–compilation aborted at /usr/bin/ATR_analysis line 47.
ATR_analysis ‚3B FF 18 00 FF 81 31 FE 45 65 63 0D 07 63 07 64 00 0D 90 73 57 00 06 15 B5‘: Success

Alternativ kann der Test mit cyberjack erfolgen. Hier ist die Ausgabe für den Nutzer freundlicher.

thomas@x1:~> cyberjack
BEGIN: ermittle Distribution (0/5)
END : ermittle Distribution (1/5) [OK]
BEGIN: ermittle Systeminformationen (1/5)
END : ermittle Systeminformationen (2/5) [OK]
BEGIN: ermittle Gruppeninformation (2/5)
END : ermittle Gruppeninformation (3/5) [OK]
BEGIN: ermittle laufende Dienste (3/5)
END : ermittle laufende Dienste (4/5) [OK]
BEGIN: ermittle und teste angeschlossene Leser (4/5)
END : ermittle und teste angeschlossene Leser (5/5) [OK]

Es wurden 3 Dateien im aktuellen Verzeichnis angelegt:
– cyberjack-report.log: Enthaelt die Ergebnisse der Tests
– cyberjack-hints.log : Enthaelt moeglicherweise Hinweise
zu gefundenen Problemen und deren
Behebung.
– cyberjack.xml : Enthaelt die Testergebnisse in fuer
den Support aufbereiteter Form.
Bitte senden Sie bei Problemen die Datei „cyberjack.xml“
an den Linux-Support von Reiner SCT.

Sollte die Gruppeninformationen fehlerhaft sein, wurde die Gruppe nicht angelegt und / oder der User nicht hinzugefügt.

5. Moneyplex konfigurieren

Nun sollte der Kartenleser erkannt sein, und wie folgt konfiguriert werden können. Ich habe einige Versuche benötigt, bis der Kartenleser als PC/SC Treiber erkannt wurde. Sonderlich stabil ist es nicht.

Ich hoffe, dass man mit dieser Beschreibung etwas mehr anfangen kann, als mit der von Matrica. Hat allerdings wieder viel Geduld erfordert, dies zu testen. Wenn die Installation sauber läuft – und man nur 32-Bit Software nutzt – sollte es eigentlich kein Problem geben. Bei 64-Bit holpert es noch gewaltig. Die Erkennung des angeschlossenen Kartenleser erfordert Geduld und häufiges an und abstecken. Wird der Kartenleser zu oft an- und abgestöpselt braucht pcscd einen restart.

Gute Nacht!


1. In der Matrica Beschreibung wird das Repo mit http://download.opensuse.org/repositories/security:/chipcard/ angegeben. Hier muss aber die Distribution angehängt werden.

12 Gedanken zu „Moneyplex mit Cardreader unter openSUSE 11.4 installieren“

  1. Deine Anleitung ist fabelhaft, allerdings nur für den, der sie einsetzen kann.
    Ich habe einen B1/Kaan Pro – Kartenleser von Kobil.
    Er kann leider nur mit dem CTAPI-Treiber eingesetzt werden.
    Schade! Aber nicht zu ändern.

    MfG. Hein

      1. Moneyplex kann doch mit PC/SC umgehen, zumindest in der 2009er Version die ich habe. (Evtl

        Und für CTAPI verwendet Moneyplex nur einen Proxy der sich an PS/SC bindet.

        Man brauch jedoch die neue Treiberversion von Kobil und ein Moneyplex 2009 mit aktuellem Update damit der Kartenleser angesprochen wird. Die neue PS/SC Version unterstütz Stromsparfunktionen und schaltet den Leser zwischendurch aus.

        Zur Installation von Kobil empfielt es sich:
        – Moneyplex aufrufen, updaten und wieder schließen
        – eine Konsole unter X aufzumachen und sich als root anzumelden
        – eine Konsole unter X aufzumachen und sich als user anzumelden
        – als User andere xhosts zulassen (xhost +)
        – als root
        — PC/SC runterzufahren
        — verbliebene Dateien in /var/run/pcsc/ löschen
        — DISPLAY auf :0 setzen (export DISPLAY=:0)
        — den Treiber von Kobil installieren (http://www.kobil.com/fileadmin/download/support/download/driver/ct-linux.zip) -> alle nötigen Schritte sind in der readme.txt
        – Moneyplex aufrufen und in den Einstellungen den Treiber auf PC/SC umstellen

  2. Danke für die sehr gute Anleitung,

    Der Erkennungsprozeß bei Moneplex unter Ubuntu 64 Bit mit dem ReinerSct RFID Lesegerät funktioniert besser, wenn man auf der Kommandozeile ein „pcsc_scan“ durchführt – moneyplex habe ich geöffnet gelassen – als häufiges Ein- und Ausstöpseln des Lesegeräts am USB-Port. Habe vorher noch nach der Anleitung auf der matrica-Webseite die entsprechende pcsc.11.zip (32 Bit) im Verzeichnis moneyplex entpackt.

    Viele Grüße

    Volkmar

  3. Hallo,

    das ist in der Tat eine wunderbare Anleitung. Ich wollte nur kurz anmerken:

    a) Ja am Anfang war die Anleitung von matrica verworren, da IFD und CTAPI-Treiber zusammen erwähnt wurden weil nicht erkennabr war welcher Treiber nun doch in Zukunft unterstützt wird. Seit Ende 2011 wird nur noch die PCSC-Einrichtung erwähnt, hat einige Seiten in der Anleitung eingespart.

    b) Der Cyberjack-Test im Terminal nützt überhaupt nichts, ist noch ein Übrigbleibsel des CTAPI-Treibers, die Ausgaben sind leider nicht relevant. Lieber pcsc_scan durchführen oder bei openSUSE den Debugmodus mit /usr/sbin/pcscd -f -a -d einschalten (vorher mit rcpcscd stop PCSC-Dienst stoppen).

    c) Für moneyplex 2011 gibt es eine 64bit-Vorabversion, kann jeder kostenlos benutzen der einen gültigen Kauf-Lizenzkey für die Version 2011 hat.
    Die Version gibt es hier:
    http://www.matrica.com/download/linux/moneyplex_setup64.zip
    Erleichtert die Einrichtung unter 64bit enorm.

    Ansonsten wirklich eine tolle Anleitung, bravo.

    1. Danke für den Kommentar. Ich weiß zwar, dass einige hier lesen, aber leider gibt es nur wenig Feedback. Jetzt bin ich versucht, die 64bit Version auszuprobieren. Mal sehen. Ich muss auch noch die OpenSuSE aufdatieren, scheue aber noch den Aufwand.

      Thomas

  4. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.
    Mein System Opensuse 11.4 64bit läuft nur in folgender Konstellation:
    libpcsclite1-1.7.2-5.7.1
    libpcsclite1-32bit-1.7.2.-5.7.1
    pscs-lite-1.7.2-5.7.1
    Download über http://rpm.pbone.net
    pcsc-cyberjack-3.99.5.final.SP03-59.4

    Die Versionen 1.6.6-3.1 und die 1.8.3… sowie der pcsc-cyberjack-3.3.5-5.3
    liefen alle nicht.
    Ich hoffe es hilft.

  5. PS: Der Test mit Cyberjack lief fehlerfrei durch. Trotzdem konnte ich unter Einstellungen in Moneyplex den PCSC-Treiber nicht anwählen. Er wurde einfach nicht angeboten.

  6. Ich habe mir die 64-Bit Beta Version unter einer virtuellen Maschine installiert un dort auch das Problem, dass die Liste der Kartenleser leer ist. Moneyplex Build L-20870. Habe es schon an Matrica berichtet. Für die Installation der 32-bit fehlen scheinbar 32-bit Pakete. Da bin ich noch dran.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.