Die dritte Welle und der Lockdown

Jede Woche zögern und abwarten, werden uns vier Wochen richtig harten Lockdown bescheren – oder die Katastrophe im Gesundheitswesen. Zwei Wochen ergeben acht Wochen Lookdown, drei Wochen zwölf.

Warum?

Ich habe mir die R-Zahlen seit 1. Januar 21 angeschaut, die das RKI auf der Basis des Now Castings und Datums des Erkrankungsbeginns berechnet. Welche minimalen R-Zahlen haben wir bisher mit unseren Maßnahmen erreicht?

Zu jedem Tag gibt das RKI einen Punktschätzer für 4 (R4) und 7 Tage (R7) an. Der Punktschätzer für R4 schwankt über die Wochentage. Über die Woche ist R4 donnerstags regelmäßig am höchsten und sonntags am niedrigsten.

R7 ist deutlich stabiler. Den niegrigsten Wert erreichte R4 am 07.02. mit 0,78 – einem Sonntag. R7 war 0,88. Ohne die Schwankungen in der Wochen könnte die R7 nicht größer als die R4 sein,wenn R4<1. Es gilt: R7(4/7) ~ R4. Damit ergibt sich, dass R4 ~ 0,93 die beste R4-Zahl ist, die wir – stabil – unter dem letzten Lookdown erreicht haben.

Im letzten Jahr war R7 mit 0,73 am 24./25.06. (Ende Frühjahr) am niedrigsten. Dies entspricht R4 ~ 0,84. R4 = 0,78 war ein kurzzeitiger, sonntäglicher Minimalwert, den wir nie dauerhaft gehalten erreicht haben. Die Minimalwerte knapp über R7 ~0,88 wurden durchaus mehrere Wochen annähernd erreicht. Aber: Alles unter der Bedingung, dass der Wildtyp dominiert.

So weit so gut. Jetzt kommen die VoC.

Entwicklung der VoC in Baden-Württemberg

Aus den Daten von #BadenWürttemberg für die VoC ergibt sich mittels Regressionsanalyse über die letzten 57 Tage R4 ~ 1,3. Diese Zahl ist sehr stabil. D.h. um vier Tage Wachstum in vier Tagen zurück zu drehen, müssten wir R4 ~ 1/1,3 ~ 0,77 erreichen.

Besser als R4 ~ 0,93 waren wir unter dem Wildtyp in diesem Jahr nie. D.h. auf vier Tage ungehindertes Wachstum der VoC folgen zwei Wochen Lockdown um die Zahlen wieder runter zu drücken. Nehmen wir an wir erreichen konstant R4 ~ 0,93 und wollen das Wachstum einer 4-Tage-Periode R4 ~ 1,3 abbauen.

0,93n = 1/1,3

=> n = ln(1/1,3) / ln(0,93) = 3,6

D.h. wir brauchen 3,6 mal länger zum Abbau einer Welle als zu ihrem Aufbau. Aber wir kämpfen hier nicht gegen den Wildtyp, sondern gegen B.1.1.7. Die südamerikanische Variante P1 soll nochmal ansteckender als B.1.1.7 sein.

Mit den Lookdowns der herkömmlichen Art oder einem Brückenlockdown ala Armin Laschet besteht keine Chance die Ausbreitung der VoC unter R4 < 1 zu drücken. Die reichten nur, um den Wildtyp knapp unter 1 zu bringen.

Und wir haben wenig Spielraum für Lockerungen, wenn die Zahlen unten sind. Ein weing über 1 und das Spiel geht von vorne los. Und wenn sich P1 durchsetzt, dann wird er Tanz erst richtig heiß. Denn wahrscheinlich unterläuft P1 die Impfung und kann zu einer zweiten Infektion führen.

Fazit

Wie gesagt: Eine Woche zögern und abwarten, werden uns für vier Wochen einen richtig harten Lockdown bescheren – oder die Katastrophe im Gesundheitswesen. Seit Anfang Februar hat die Politik schon 8 Wochen Zeit verplempert.

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