Der Wallstreet Trick und seine Vermarktung (2)

Vor zwei Tagen fand ich folgenden Text als Kommentar eines angeblichen Patrick, der mir irgendwie Bekannt war, zu meinem Artikel Binäre Optionen (2):

Wallstreet Trick ist ein Indirekter Trick, funktioniert er ? Ganz klar. Es ist keine Abzocke denn man handelt mit Börsenprodukten am Binären Optinosmarkt über einen Broker, der binäre Optionen anbietet. Dies als Abzocke zu bezeichnen würde auch verpflichten, die Börse und den Forexmarkt ebenfalls als Abzocke zu bezeichnen. Zugegeben – wer mal Geld an den Märkten verloren hat, könnte dazu neigen – dies ist allerdings eher eine emotionale Reaktion als eine Tatsache!

Kurz gesagt: Man handelt hier am Börsenmarkt und wer dafür ein Händchen und/oder die richtige Strategie hat, kann viel Geld verdienen. Zweifellos!

Kurze Suche ergab, dass der Text bis auf den ersten Satz aus einem Artikel Der Wallstreet Trick – Was steckt dahinter?, angeblicher Autor Kurt Bach, des Blogs „Online Produkt Infos – Online Geld verdienen“ stammt. Der Text wurde offensichtlich per „Copy and Paste“ mitsamt der Rechtschreibfehler übernommen. Deshalb habe ich den Beitrag als Spam eingestuft.

Über diesen besagten Artikel und die vermutlichen Hintergründe habe ich schon einmal unter dem Titel „Der Wallstreet Trick und seine Vermarktung“ etwas geschrieben.

Ich habe nicht vor, mich durch solche Kommentare an der Vermarktung zu beteiligen. Die Frage, ob es sich um Abzocke handelt, darf jeder für sich selbst beantworten. Hier nur als Ergänzung zu den vorherigen Artikeln zum gleichen Thema noch ein paar Anmerkungen.

Gewinnversprechen

In der Werbung wird der angeblich hohe Gewinn von 71% pro Trade hervorgehoben. Der mögliche Verlust von 85% wird nur am Rande, im Kleingedruckten, erwähnt. Aufgrund des Zinsesszinseffektes würde ein „Händler“ in kürzester Zeit sämtliches Geld der Welt an sich ziehen. Völlig unrealistisch. Die Broker wäre längst pleite. Dazu kommen noch ungeeignete Strategieempfehlungen zur Erhöhung des Einsatzes nach Verlusten.

In diesem Zusammenhang würde mich eine rechtliche Bewertung hinsichtlich des §263 StGB Betrug interessieren. Die Frage, ob der Vermögensvorteil der Broker / Verkäufer rechtswidrig erlangt wird, dürfte entscheidend für die Frage Betrug ja oder nein sein.

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Während bei einem Ratenkredit ein effektiver Jahreszins angegeben werden muss, fehlt ein den beworbenen Angeboten jegliche Gegenüberstellung von Gewinn- und Verlustchancen zur Bewertung.

Vergleich mit dem Devisenmarkt

Der Vergleich der „Binäre Optionen“ mit dem Devisenmarkt oder Foreign exchange market, kurz Forex, hingt. Auf dem Devisenmarkt werden Währungen getauscht und ein Kursverhältnis durch Angebot und Nachfrage gebildet. Devisen oder Optionen werden gekauft und weiter verkauft. Die Binären Optionen werden nur gekauft und können vor dem Verfallszeitpunkt nicht weiter verkauft werden. Ein Handel wie beim Devisenmarkt findet nicht statt. Die Anbieter der Binären Optionen habe sich in Ländern niedergelassen, die nicht unbedingt durch eine strenge Finanzaufsicht berühmt sind, und versuchen dies teilweise durch Namen wie Banc de Swiss zu kaschieren.

Optionshandel

Auch mit dem normalen Optionshandel sind Binäre Optionen nicht vergleichbar. Nicht zu unrecht werden sie als exotische Derivate bezeichnet. Bei einer Option habe ich das Recht ein bestimmtes Produkt zu einem vereinbarten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Hier wird ein Recht gehandelt. Die Optionen haben sogar einen Einfluss auf die Kurse.

Auch wenn exotische insbesondere binären Optionen sich der Begrifflichkeiten des Optionshandels bedienen, sind sie in den beworbenen Ausprägungen mit sehr kurzen Laufzeiten eher reine Wetten auf eine Kursentwicklung und weisen stärkere Ähnlichkeiten mit Glücksspielen auf.

Zwischen Ausgabe / Kauf und Verfallszeitpunkt findet bei den beworben Brokern kein Handel (und keine Wertermittlung) statt. Ein Handel mit Binären Optionen in dem Sinne, dass sie zu einem niedrigeren Preis erworben und einem höheren verkauft werden, findet nach allem was ich herausgefunden habe nicht statt.

Genug dazu.

Gute Nacht

6 Gedanken zu „Der Wallstreet Trick und seine Vermarktung (2)“

    1. Danke!

      Im Moment kämpfe ich noch mit den DDoS Angriffen, aber bei nächster Gelegenheit werde ich bei Dir vorbei „lesen“.

      Thomas

    1. Danke, heute ist es etwas ruhiger. Nur ein Rechner mit über 100.000 Zugriffen. Aber nach der Installation von openSuSE 12.1 funktioniert auch die SuSEfirewall endlich.

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