Lügen mit der Wahrheit

Das Buch „Die Zahlentrickser: Das Märchen von den aussterbenden Deutschen und andere Statistiklügen“ von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff hat mich zum folgenden Beitrag angeregt. Politiker verbreiten gerne Erfolgsmeldungen, besonders im Wahlkampf. Dabei muss der Erfolg nicht unbedingt ein Erfolg sein; er muss nur als Erfolg dargestellt werden. Außerdem versprechen sie Verbesserungen in der Zukunft, am besten sind natürlich Änderungen, die ohne politisches Zutun eintreten.
Nehmen wir als Beispiel die

Erwerbstätigen und Arbeitsstunden

Für die Zeit von 2000 bis 2015 habe ich folgende Zahlen für die Erwerbstätigen und Arbeitsstunden gefunden.
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Kommt es zum Grexit?

Natürlich. Herr Tsipras hat gezielt darauf hin gearbeitet, wird es weiter tun und ist mit dem Ausgang des Referendums einen Schritt weiter.

Glauben Sie, dass der Hund die Hand beißt, die ihn füttert? Nein. Durch Frechheiten und Beleidigungen wurde versucht, die Verhandlungen auf eine emotionale Ebene zu heben und dann zum Scheitern zu bringen. Dies ist nicht gelungen, weil die andere Seite nicht wie gewünscht reagiert hat. der Schlagabtausch der Beleidigungen hat nicht stattgefunden. Also musste ein anderes Mittel her: Ein Referendum.

Nun ging es in diesem Referendum nicht um die sachliche Frage „Wie kommt die griechische Wirtschaft wieder in Schwung“, sondern darum, ob Griechenland ein stolzes Volk ist. Es ging nicht um einzelne, konkrete Reformschritte. Es ging nicht um die Abwägung der Vorschläge der einen und Gegenvorschläge der anderen Seite. Die Frage, ob die Vorschläge der Gläubiger gut und zielführend sind, wurde zur Frage umgemünzt, ob sich ein stolzes griechisches Volk von den Institutionen in Europa und der Welt Bedingungen für eine Kreditvergabe und Reformen vorschreiben lässt. Es ging nicht um die versprochenen eigenen maßgeschneiderten Reformen des Herren Tsipras und Varoufais gegen die – logischerweise nicht maßgeschneiderten und untauglichen – Vorschläge der Troika. Konnte es nicht, denn eigene maßgeschneiderte Reformvorschläge gab es nicht und wird es auch in den nächsten Tage nicht geben.

Hätte Herr Tsipras die Frage gestellt, ob die Griechen lieber außerhalb der EU und des Euros – und damit ohne Hilfe – versuchen sollen ihre Wirtschaft und ihren Staat wieder zum Laufen zu bringen, hätte er das Referendum verloren. Also hat er das Problem kurzerhand von der Sachebene auf die emotionale Ebene gehoben. Aus einem sachlichen Problem wurde der Kampf des griechischen Volkes gegen die bösen Institutionen in der Welt, die Griechenland den Untergang wünschen. Gebetsmühlenartig wurde versichert, dass ein „Nein“ nicht den befürchteten Ausstieg aus dem Euro und aus Europa bedeutet. Dass die Gläubiger Sicherheiten für ihr Geld haben wollen, hat er zur Erpressung und zur Frage der griechischen Ehre erklärt.

Insgesamt wurde seitens der Herren Tsipras und Varoufakis wenig getan, um einen Kompromiss dem eigenen Volk (und der eigenen Partei) verkaufen zu können. Würden Sie mit Kriminellen und Terroristen verhandeln und das Ergebnis für gut halten? Jeder Kompromiss wäre eine Niederlage gewesen. Keiner, der in eine Verhandlung mit einer Einigung abschließen will und klar bei Verstand ist, verbaut sich alle Möglichkeiten das Ergebnis als Erfolg zu verkaufen.

Es wird nicht all zulange dauern, dann wird er den Griechen erklären, dass Griechenland aus Europa und dem Euro gedrängt werden soll, und dass eine stolzes Volk keinen anderen Weg hat. Er, Tsipras, als Verteidiger des Vaterlandes habe nur den Willen des Volkes umzusetzen versucht.

Dem heutigen Siegestaumel wird ein böses Erwachen folgen – bei den Griechen. Ich werde trotz des Referendums gut schlafen.

Phrasendrescher Tsipras

Schaut ich mir die Phrasen des Herrn Tsipras auf Twitter der letzten Stunden an, möchte ich an seinem Geisteszustand zweifeln. Des Eindrucks, dass hier jemand unter Verfolgungs- und Größenwahn leidet, kann ich mich nicht erwehren. Hier fühlt sich jemand als Verteidiger eines stolzen Griechenlands gegen das böse Kapital und die bösen Regierungen in Europa – immerhin 18 Euro-Regierungen.

Nur die Furcht müssen wir fürchten; ein Pleitestart garantiert Zahlungen. Da könnte ich auch die Zahlung einer Millionen, ach was einer Milliarden, warum so kleinlich einer Billion garantieren. Wertloses Geschwätz.

Nicht einer der folgenden Tweets hat auch nur einen Hauch von Substanz und bringt auch nur einen minimalen Schritt weiter. Dabei hatte er maßgeschneiderte Reformen versprochen.

  • The dignity of the Greek people in the face of blackmail and injustice will send a message of hope and pride to all of Europe.
  • In these critical hours, we must remember that the only thing to fear is fear itself.
  • The same applies to the payment of wages and pensions–they are also guaranteed.
  • In the coming days, what’s needed is patience and composure. The bank deposits of the Greek people are fully secure.
  • They will not succeed. The very opposite will occur: the Greek people will stand firm with even greater willfulness.
  • The recent decisions of the Eurogroup & ECB have only one objective: to attempt to stifle the will of the Greek people.
  • We pledge that come Monday, July 6, we will continue our efforts–with the power of our people’s verdict on our side.
  • The values we seek to defend are: #Democracy Equality Solidarity Human dignity & social rights.
  • With the support of our people, we will reject the ultimatum before us that is an affront to Europe’s democratic traditions.
  • I am certain that the Greek people will send a message of #democracy and dignity to all of Europe.
  • It is a decision to put an end to extortion and coercion, practices that have become all too common in Europe.
  • Honoring the sovereignty of the Greek people to express their will is in no way a decision to rupture w/Europe.
  • With a clear „NO“, we send a message that Greece is not going to surrender.
  • Many are asking: what happens after the #referendum? With a clear „NO“, we will have a much stronger negotiating position.
  • Reaching an agreement was not the goal but rather for us to give up our political dignity.
  • We were also asked to opt out of the European acquis of collective bargaining.
  • We were asked to once again place the burden on the shoulders of pensioners and workers.

Phrasen des A. Tsipras auf Twitter

Es geht weiter:

  • The people of Europe stand by us-marching in solidarity w/Greek flags. #Democracy will prevail.
  • We have justice on our side. If we can overcome fear, then there is nothing left to fear.
  • We will insist on negotiating. While we’re close on fiscal matters, other issues loom large. We seek a viable solution.
  • Our goal is to change power dynamics. Our priority is to fulfill our election commitments.
  • We implemented large part of our program even w/econ asphyxiation: 100 installments, humanitarian crisis bill, 5 euro hospital charge.
  • We want to remain in EZ. We are not „guests“ in Europe. Greece is in the heart of Europe.
  • The partners accept IMF’s proposals for tough austerity measures but not proposals for restructuring debt.
  • Having asphyxiated banks & denied extension request, is it reasonable to expect that IMF installment will be paid tomorrow?
  • We will be ready to reach a sustainable agreement after #OXI / NO vote in the #referendum.
  • The power is in the people’s hands: Greek people will vote #OXI / NO to submission, unemployment, migration of young people
  • The institutions insist on ideological measures w/no financial benefit, e.g., collective bargaining agreements.
  • The strategy to prompt bank closures is simply an attempt to block the #referendum. Bad day for Europe’s history.
  • The institutions‘ proposal came with a requirement–that we agree to it within 48 hours.
  • This is an attempt to block any alternative political view-this is clearly a political choice. The ppl will decide differently.
  • Although our final proposal had been accepted, the institutions backtracked thus undermining the prospect of an agreement
  • The institutions were not interested in finding common ground, but rather to impose extreme measures.
  • Merkel gibt Rot-Grün Schuld am Erfolg der CDU in Bremen

    Es sehe ganz danach aus, als seien sehr viele Wähler von SPD und Grünen aus Enttäuschung zu Hause geblieben, sagte die CDU-Chefin. «Und da ist es dann vielleicht doch besser, man gibt sich noch etwas mehr Mühe zu mobilisieren. Und das scheint mir hier von sozialdemokratischer Seite das Problem gewesen zu sein.»

    Quelle: SHZ.de 11.02.2015

    Wenn die CDU ihre Wähler deutlich besser mobilisiert hat, sich richtig Mühe gegeben hat und natürlich erfolgreicher war als SPD und Grüne, dann verdankt die CDU ihren Erfolg einzig dem Zuhausebleiben der SPD- und Grün-Wähler. Die Mehrheit der Nicht-Wähler steht also nach Eingeständnis der CDU-Vorsitzenden auf Seiten von Rot-Grün.

    Nehmen wir an, dass die kleinen Parteien und die CDU ihr Wählerpotential optimal ausgeschöpft haben. Wäre die Wahlbeteiligung 60% gewesen und hätten die zusätzlichen Wähler sich somit auf Rot-Grün verteilt, hätte die CDU nur 18,8% erreicht; bei 70% Wahlbeteiligung wären es 16,1% gewesen. Rot-Grün hätte 56,7% oder 62,9 % der Stimmen bekommen.

    Ob Frau Dr. Merkel dies bewusst war, als sie diesen Kommentar abgegeben hat?

    Islam ist nicht gleich Islam

    Eine Aussage, die diese amerikanische Journalistin nicht verstehen will oder kann.

    Es geht doch nichts über ein einfaches Weltbild. Ein, zwei Vorurteile, wir sind die Guten und ihr seid die Bösen, schon hat die Welt Struktur.

    MH17-Abschuss: Spionagebilder sind eine plumpe Fälschung

    Angebliches Spionagebild des Abschusses MH17
    MH17-Angebliches Spionagebild des Abschusses MH17

    Eigentlich fällt es sofort ins Auge, die Bilder sind eine schlechte Fälschung! Am auffälligsten und am wenigsten beachtet sind die falschen Größenverhältnisse. Jeder gute Fotograf müsste sofort erkennen: Die Perspektive stimmt nicht.

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    Finanzausschuss fordert 16 Prozent Mehrwertsteuer auf alle Lebensmittel!

    „Finanzausschuss fordert 16 Prozent Mehrwertsteuer auf alle Lebensmittel!“, titelt Focus Online heute unter Berufung auf einen Artikel der Welt am Sonntag: „Reformvorschlag 16 Prozent Mehrwertsteuer – und zwar auf alles“.

    Über die Intention hinter dem kleinen Unterschied in den beiden Überschrift denke ich lieber nicht nach. Lohnt nicht. Aber die Forderung oder den Reformvorschlag möchte ich näher betrachten.
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    Timoschenko: „Dem Drecksack in die Stirn schießen“

    Was immer Julija Timoschenko genau gesagt hat und wie man es gut ins Deutsche übersetzt: Staatsmännisch war die Wortwahl nicht. Doch wie fühlt sich jemand, der hilflos mit ansehen muss, dass der große Nachbar innerhalb weniger Tage Fakten schafft? Dazu gibt es noch wortgewaltige Unterstützung und Rückenwind aus Europa und Amerika, nach dem Motto „Die Ukraine möge bitte – wir werden nichts tun, was unsere Erdgasversorgung gefährdet.“ Da können (und dürfen) auch mal die Pferde mit einem durchgehen. Bei allem Frust und aller Hilflosigkeit, solche darf man im stillen Kämmerlein denken, aber in Zeiten der NSA und ihrer russischen oder chinesischen Kollegen nicht über eine Telefon sagen. Es sei denn, man möchte es publik machen.

    Die Ukraine ist der Vorhof Russlands. Instabile und unkontrollierbare Verhältnisse in der Ukraine, insbesondere auf der Krim, sind nicht im russischen Interesse und Wladimir Putin kann in einem Konflikt Ukrainer – Russen nicht zuschauen. Nur wenn der Koch den Topf rechtzeitig vom Feuer nimmt, wird das Essen nicht anbrennen.

    Wie würden die Amerikaner in ihrem Vorhof reagieren? Wie haben sie bisher reagiert?

    Castro wandte sich Moskau zu, Kuba wurde vom Vorhof der USA zum Vorposten des Kreml, für die USA eine unerträgliche Situation. Man versuchte, Castro zu stürzen. Das führte im April 1961 zum Desaster in der Schweinebucht: Die Invasion scheiterte kläglich.

    Doch die Regierung in Washington ließ nicht locker. …

    Die Vorbereitungen für eine Invasion Kubas gehen weiter. Geplant sind sieben Tage lang massive Luftangriffe, über tausend allein am ersten Tag, um die Raketenbasen, das Luftabwehrsystem und die Flugplätze zu zerstören.

    Quelle: Zeit Online – Kalter Krieg – Dem Abgrund entgegen vom 22.10.2012

    Kleiner Unterschied: Bei den Russen ist es bisher kein Desaster.

    Saschas Internet ist kaputt

    „Saschas Internet ist kaputt.“[1]

    „Dann soll er mal den Router an und aus schalten. Mach ich auch immer. Wenn es nicht hilft, dann Rechner neu starten. Danach Telekom anrufen.“

    „Machst Du nicht.“

    „Was! Mach ich immer so: Router – Rechner – Telekom. Ich ärgere mich doch nicht lange mit den Fehlern rum.“

    „Du rufst nicht bei der Telekom an. Du hast Voice over IP. Da funktioniert das Telefon nicht, wenn das Internet nicht funktioniert.“

    „Ich habe vielleicht auch ein Handy? Also, wieso ist sein Internet kaputt?“

    „Nicht sein Internetzugang ist kaputt; Sascha meint: Das Internet ist kaputt.“
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    1. [1]Sascha Lobo: Abschied von der Utopie – Die digitale Kränkung des Menschen; FAZ.net vom 11.01.2014